Friedrich von Fuchs führt beeindruckendes Reineke-Fuchs-Museum in Linden-Leihgestern [Hessen]
Nicht viele Gießener wissen, welches Kleinod sich vor den Toren ihrer Stadt befindet, im Stadtteil Linden-Leihgestern, in einem Privathaus mit bayerischem Äußeren und dem ungewöhnlichen Schild
Angeregt durch das Wappen der Familie, das einen Fuchs zeigt, fing er an, sich für alle Gegenstände zu interessieren,die in irgendeiner Form mit dem Fuchs zu tun hatten. Begleitet von seiner Frau Erika, die erliebevoll "Fähe" nennt (der weibliche Fuchs), die beiden feierten 2005 Goldene Hochzeit - erstand Friedrich von Fuchs auf vielen Reisen durch ganz Europa bis heute an die 2000 Objekte die ihm 1996 immerhin einen Eintrag in das Guinnessbuch der Rekorde einbrachte.
Der Fuchs in der Kunst und Literatur
Dem 1932 in Bayern geborenen Sammler und früheren Kunsthandwerker geht es jedoch primär nicht um Stückzahlen und auch nicht um den Fuchs als biologisches Wesen, sondern um seine Darstellung in der Kunst und Literatur.Unseren hochinteressanten und auch amüsanten Rundgang durch die Museumsräume begleitete Friedrich von Fuchs mit kleinen Geschichten und Anekdoten rund um den Erwerb oder die Geschichte vieler seiner Exponate. Seine Sammlung läßt sich in drei thematische Hauptgruppen gliedern. Zuerst gibt es da die Objekte des Fabelwesens Fuchs mit seinen ihm angedichteten Eigenschaften,dargestellt unter anderem in graphischen Blättern und Buchausgaben. Allein zum Theme >Reineke Fuchs< befinden sich mehr als 220 Bücher in von Fuchsens Besitz, darunter auch die Erstausgabe von Goethe`s Reineke Fuchs von 1794. Gäste können in vielen Schautafeln blättern und immer neues entdecken.
>Mein Vater Reineke< sagt ein junger Fuchs, >ist ein Kriecher, ein Heuchler, ein Halunke - kurz, ein Kerl, den man sich zum Vorbild nehmen muss!<
Dieses Zitat begleitet eine Abbildung einer Karikatur von Hermann Vogel aus dem Jahre 1907, eines seiner zahlreichen Exponate, die Friedrich von Fuchs in einem Hochglanzband, jedes einzelne verbunden mit Texten aus dem Goetheschen Werk publiziert hat.
Viele wertvolle Exponate
Im zweiten Teil finden sich Objekte, die sich losgelöst von der literarischen Darstellung, mit dem Fuchs als Tier beschäftigen. Seine Gestalt, sein Verhalten, etwa beim Beutefang oder sein Umgang mit den Jungen, findet man dort in vielfältiger Form. Wertvolle Objekte aus Porzellan vieler namhafter Manufakturen, Gegenstände aus Glas, Silber oder Elfenbein, aus Bronze, Meerschaum oder Keramik- und Holzarbeiten lassen den Besucher immer wieder staunen. Sein erstes Sammlerstück fand von Fuchs vor faßt 50 Jahren [1960] in München. Es zeigt einen Fuchs mit einer geschlagenen Ganz auf einem Bisquitt-Porzellan-Aschenbecher aus dem 19. Jh.,aber manche Stücke sind bis zu 250 Jahre alt.
Sehr schnell bemerkt der Besucher, dass der Fuchs, für den sich Friedrich von Fuchs interessiert, mehr zu bieten hat, als die gestohlene Gans. Es ist erstaunlich, welche Kostbarkeiten sich in Vitrinen befinden, die mit heutigen Kunstgegenständen oft nicht mehr vergleichbar sind. Es sind vorwiegend Handarbeiten und viele Unikate. Es schmerzt ihn, dass Nichtwissende oft vermuten, dass sein Museum nur etwas für Kinder sei. Es gäbe zwar allerhand Liebenswertes zu betrachten, doch würden sich Kinder bei dieser anspruchsvollen Sammlung sicher schnell langweilen.
Die dritte Gruppe zeigt weder den Fuchs als Fabelwesen noch den realen Fuchs mit seinen tatsächlichen Verhaltensweisen. Der Fuchs wird hier als rein dekoratives Motiv bei unzähligen Gegenständen benutzt, wobei der Betrachter sich hier über allerlei Kuriositäten freuen kann. Bei so manchem Senior wurden auch wieder Erinnerungen wach beim Betrachten und Lesen der Bilddokumente und beim Entdecken von Gegenständen aus den 30 Jahren.
Jedes einzelne Exponat ist minutiös beschriftet, katalogisiert und dokumentiert. 700 Exponate faßte von Fuchs in einem Nachschlagewerk über den "Fuchs in der Kunst" zusammen (Ist im Museum erhältlich). Ich möchte meine Arbeit den nachfolgenden Generationen erhalten; sagt er und stellte sein Wissen hier und da auch Studenten der Universität Giessen sowie auch anderen zu Verfügung. Als MItglied der internationalen Reineke Fuchs Gesellschaft, arbeitet von Fuchs bei regelmäßigen Colloquien mit Wissenschaftlern aus aller Welt zusammen und ist bei vielen Veranstaltungen und Sonderausstellungen als Experte vertreten.Mit Recht präsentiert der Sammler seine Arbeit, die er einzig mit seinen privaten Mitteln finanziert und ehrenamtlich bereit stellt, mit einem gewissen Stolz.
Die mühsame Arbeit an der Schreibmaschine ersetzte der 76 jährige, der alle Texte seiner Veröffentlichungen selber schreibt und bebildert, vor vier Jahren endlich durch einen Computer. Als Autodiktat machte er sich mit der Technologie vertraut und kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, ohne dieses Gerät zu sein, da er an einem neuen Projekt arbeitet, für das er bereits mehr als 2000 Abbildungen aus seiner Reineke Fuchs Bibliothek eingescannt und beschriftet hat.
Friedrich von Fuchs, der mit Freude, aber auch wissenschaftlicher Akribie sein außergewöhnliches Museum führt - übrigens das einzige seiner Art in der Welt - freut sich über jeden interessierten Besucher auch Gruppen von 8-10 Personen und begleitet sie mit seinem fundierten Fachwissen gerne durch die Ausstellung.
Heidrun Bernard
